Authentisch und wirkungsvoll auftreten
Ein Gespräch mit Marina Bernardo darüber, wie Stärken, Stimme und Resonanz im Beruf zusammenwirken
Für diesen Beitrag habe ich Marina Bernardo zum Gedankenaustausch eingeladen. Sie ist Gründerin von Coachiba und Expertin für Leadership und Empowerment – speziell im Bereich neurodivergenter Stärken. Aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten wir dieselbe Frage: Was braucht es, damit Menschen sicher und wirkungsvoll sprechen, in Meetings überzeugen und so authentisch auftreten – in Übereinstimmung mit ihrer Kompetenz, ihrer Persönlichkeit und ihren Stärken.
Zwischen Anliegen und Ausdruck
In meiner Arbeit als Stimm- und Sprechtrainerin begegne ich nicht nur Schauspieler:innen, die gezielt trainieren möchten, sondern auch Menschen, die ihre alltäglichen beruflichen Kommunikationssituationen verbessern wollen. Bei ihnen spüre ich oft ein Potenzial, das noch nicht zur Entfaltung kommt. Genau hier wird es interessant: Es geht um Authentizität, Selbstverwirklichung und darum, wirklich gehört werden.
„Ein Wort beginnt nicht als Wort – es ist ein Endprodukt. Es beginnt als Impuls und findet, durch Überzeugung und Verhalten beflügelt, den notwendigen Ausdruck.“
Für einen neuen Blickwinkel sorgt dabei Marina Bernardo. In ihrem Empowerment Coaching begleitet sie Menschen darin, ihre besonderen Stärken zu erkennen, anzunehmen und zu nutzen. Mich interessiert an unserem Gespräch, was geschieht, wenn sich diese Arbeit und meine Perspektive auf Stimme, Atem, Haltung und Resonanz begegnen.
Authentisch auftreten — zwei Perspektiven auf dieselbe Herausforderung
Franziska: Ich begegne immer wieder Menschen, bei denen ich sofort spüre: Da ist etwas da. Etwas, das klingen könnte. Etwas, das eigentlich hörbar werden möchte. Und doch bleibt im Sprechen oft nur ein Teil davon übrig. Die Stimme wird enger, der Atem macht nicht mit, die Sprache verliert an Beweglichkeit.
Marina: Ich würde es ähnlich beschreiben, nur von einer anderen Seite. Viele Menschen bringen nicht zu wenig mit — sie nutzen zu wenig von dem, was längst da ist. Im Leadership-Kontext zeigt sich das sehr deutlich: Wer die eigenen Stärken nicht erkennt, tritt nicht aus ihnen heraus auf. Dann fehlt nicht Kompetenz, sondern Zugang zum Eigenen.
Franziska: Du begleitest Menschen dorthin, wo sie entdecken, was in ihnen ist – und es annehmen lernen. Ich sorge dafür, dass das Gefundene einen körperlichen und stimmlichen Ausdruck findet. Dass es Gestalt annimmt. Dass jemand nicht nur redet, sondern in Resonanz kommt – und mit seiner eigenen Sprache in Freude kommt. Authentizität ist das, was daraus entsteht. So kann man authentisch auftreten.
Marina: Viele halten ihre Stärken für selbstverständlich. Doch genau dadurch werden sie nach außen oft unsichtbar. Nicht, weil sie nicht da wären, sondern weil sie nicht wirklich beansprucht werden.
Franziska: Und ich erlebe, dass auch im Körper vieles mitspricht. Gewohnheitsmäßige Spannungen, ein festgehaltener Atem, eine Stimme, die sich noch nicht frei zur Verfügung stellt. Dann geht nicht nur Klang verloren, sondern oft auch Lebendigkeit.
Marina: Richtig. Und dann wird an der Oberfläche gearbeitet, obwohl die eigentliche Frage darunter liegt: Was bringe ich mit — und warum nutze ich es nicht bewusst? Um authentisch auftreten zu können oder sicher zu sprechen, muss man zuerst nach innen schauen und Klarheit schaffen.
Was es verändert, die eigenen Stärken zu erkennen und anzunehmen
Mit sich selbst in Einklang zu kommen, ist der erste Schritt, um authentisch auftreten zu können. Ich habe Marina gefragt, was in ihrer Arbeit konkret geschieht, wenn Menschen beginnen, ihre Stärken anders zu sehen.
Marina: Zuerst verändert sich oft nicht das Verhalten, sondern der Blick darauf. Viele Menschen sind sehr schnell darin, Schwächen zu benennen. Ihre Stärken dagegen relativieren sie, erklären sie weg oder halten sie für nichts Besonderes. Genau dadurch bleiben sie unter ihren Möglichkeiten. Authentisch auftreten oder im Gespräch zu überzeugen, braucht Substanz.
Franziska: Weil etwas, das ich selbst kaum als Kraft wahrnehme, auch nicht selbstverständlich sichtbar wird?
Marina: Richtig. Das Problem ist: Was ich selbst nicht als Ressource anerkenne, kann ich auch nicht bewusst einsetzen. Dann versuche ich, über Unsicherheit hinweg zu funktionieren. Das kostet Energie, schafft aber noch keine Wirksamkeit. Wirksamkeit entsteht nicht dadurch, dass ich mich stärker anpasse, sondern dadurch, dass ich das, was ich mitbringe, kenne und gezielt nutze. Dann kann ich authentisch auftreten und in Meetings wirkungsvoll und sicher sprechen.
Franziska: Das deckt sich für mich vollkommen mit dem, was ich im Sprechen wahrnehme. Oft verdeckt bei Menschen die Zurückhaltung den Ausdruck – als wäre etwas noch nicht bereit, ganz nach vorne zu treten. Wenn man jedoch versteht, wie die eigene Stimme funktioniert, was sie blockiert und wie man diese Hindernisse löst, öffnen sich plötzlich ganz neue Türen. Die Stimme gewinnt an Klang und Kraft und wird im Ausdruck tiefer persönlich.
Marina: Deshalb ist Empowerment für mich kein Wohlfühlbegriff. Es ist eine Führungsfrage. Wer die eigenen Stärken nicht ernst nimmt, führt weder sich selbst noch andere erfolgreich. Dann orientieren sich Menschen an Erwartungen, Defiziten oder Anpassung — aber nicht an dem, was sie tatsächlich mitbringen.
Franziska: Innerlich da und äußerlich noch ohne Gestalt.
Marina: Genau. Und diese Lücke ist im Berufsalltag meistens ziemlich teuer.
Wie Stimme, Atem und Haltung Ausdruck formen
In der Arbeit mit Stimme erlebe ich immer wieder: Der persönliche Ausdruck ist untrennbar mit dem ganzen Menschen verbunden. Der Atem wird festgehalten. Die Schultern ziehen sich hoch. Die Artikulation verliert ihre Spielfreude. Beim Versuch, sicher zu sprechen, geht die Lebendigkeit verloren. Dieser selbstgemachte Druck ist kontraproduktiv. Denn authentisch auftreten oder wirkungsvoll zu sprechen– das kann man lernen, aber nicht erzwingen.
Franziska: Um im Gespräch zu überzeugen, versuchen viele Menschen – besonders im beruflichen Kontext – ‚richtig‘ zu sprechen. Deutlich, kontrolliert, souverän. Aber wenn der Atem nicht frei ist, wenn die Haltung ihre Beweglichkeit verliert oder die Stimme nur über Anspannungen funktioniert, hört man es.
Marina: Das ist wahrscheinlich auch der Punkt, an dem viele denken: Ich weiß doch, was ich sagen will. Warum kommt es dann nicht so raus? Weshalb kommt mein Auftreten nicht authentisch und überzeugen rüber?
Franziska: Ja. Und oft ist es eine große Erleichterung, wenn jemand merkt: Mit meiner Stimme ist nicht nichts ‚falsch‘. Sie ist vielleicht gehemmt. Gewohnheiten, Schutzmuster, alte Spannungen sprechen mit. Wenn sich die Spannungen lösen dürfen, wird oft nicht nur die Stimme freier – der ganze Ausdruck beginnt zu atmen. Häufig erlebe ich bei Menschen, die zum ersten Mal bei einem Stimm- und Sprechtraining mitmachen, wie dieser Aha-Moment ganz automatisch Selbstbewusstsein und Authentizität weckt und freisetzt.
Marina: Das finde ich stark, weil es denselben Mechanismus auf einer anderen Ebene zeigt. Im Führungskräfte Coaching geht es ebenfalls nicht darum, härter zu werden oder kontrollierter, sondern freier werden für das, was eigentlich da ist. Ganz besonders gilt das im Zusammenhang mit Neurodivergenz. Stärken nutzen, anstatt Schwächen zu fürchten. Der erste wichtige Schritt, um im Beruf sicher und authentisch auftreten zu können.
Authentisch auftreten heißt nicht, perfekt zu sprechen
Die Linklater Voice Method, die meine Arbeit stark prägt, folgt genau diesem Ansatz: Es geht nicht darum, die Stimme zu kontrollieren, sondern sie von dem zu befreien, was sie einengt. Aus dieser Befreiung entsteht Energie, die sich direkt in eine kraftvolle Kommunikation verwandeln lässt.
Franziska: Wenn Menschen versuchen, perfekt zu sprechen, geht oft genau das verloren, was sie eigentlich wirkungsvoll und glaubwürdig macht. Authentisch auftreten und sprechen heißt für mich nicht, ungefiltert alles von sich zu geben. Zugleich heißt es auch nicht, technisch perfekt und doch leer zu klingen.
Marina: Ja. Und aus meiner Sicht ist genau das oft der Denkfehler: Viele verwechseln Wirksamkeit mit Anpassung. Aber Leadership entsteht nicht dadurch, dass ich möglichst gut in ein erwartetes Bild passe. Es entsteht dort, wo ich mein Profil kenne, meinen Punkt halten kann und aus dem Eigenen heraus auftrete.
Franziska: Und dann wird Sprechen anders. Weniger gemacht. Weniger angestrengt. Freier.
Marina: Richtig. Es geht nicht darum, eine bessere Version von sich zu inszenieren. Es geht darum, stimmiger zu werden in dem, was man zeigt, sagt und nutzt.
Wo authentisch auftreten und Wirksamkeit im Berufsalltag verloren gehen
Besprechungen und Meetings sind oft verdichtete Räume. Zeitdruck, Aufmerksamkeit, Rollen, Erwartungen — all das wirkt mit.
Franziska: Ich erlebe oft, dass Menschen unter Druck schneller sprechen, enger, leiser oder undeutlicher. Sie wollen auf den Punkt kommen und verlieren ihn gerade dadurch. Oder sie sagen sehr viel, und trotzdem bleibt unklar, wofür sie eigentlich sprechen. So geht im Gespräch genau das verloren, was Wirkung erzeugt.
Marina: Und ich sehe oft, dass sich Menschen in solchen Situationen selbst zurücknehmen, bevor es überhaupt nötig wäre. Häufig – aber nicht nur bei Frauen. Sie relativieren ihre Aussagen, entschärfen ihre Position. Um in Meetings sicher und wirkungsvoll zu sprechen, muss man seine eigentlichen Stärken mit in den Raum nehmen.
Franziska: Fehlt diese Verbindung, sind die Worte zwar da — aber sie finden keinen rechten Anklang.
Marina: Zudem wird das dann oft als Kommunikationsproblem behandelt, obwohl es häufig ein Wahrnehmungsproblem ist. Wer das Eigene dauernd klein hält, wird auch von anderen kleiner gelesen. Das macht es fast unmöglich im Gespräch zu überzeugen. Authentisch auftreten ist das A und O, um wirkungsvoll in Meetings zu sprechen. Das ist nicht nur ein Kommunikationsmuster, sondern oft auch ein Leadership-Thema.
Häufige Fragen aus dem Coaching, die wir beide gleichermaßen hören
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Wie wirke ich authentisch?
Authentisch auftreten heißt nicht, spontan alles auszusprechen oder besonders souverän wirken zu müssen. Authentizität kommt von innen. Authentisch wirkt man dann, wenn Stimme, Auftreten und Anliegen in Einklang sind.
Franziska: Für mich hat authentisches Auftreten viel damit zu tun, dass man im Stress die Wahl hat, die Anspannung loszulassen. Wenn der Atem mitgehen darf, wenn die Stimme frei ist statt angespannt und wenn Worte durch ihre Schwingung wirken können – dann hört man die ganze Person.
Marina: Authentizität hat auch damit zu tun, ob du deine eigenen Stärken überhaupt kennst und annimmst. Viele versuchen, so aufzutreten, wie sie ihrer Meinung nach sein sollten. Genau das schafft Distanz. Authentisch auftreten kannst du dann, wenn du nicht maskierst, sondern das nutzt, was tatsächlich da ist.
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Ich werde nicht gehört!
Menschen werden oft nicht gehört, weil nicht nur der Inhalt zählt. Häufig wirken Unsicherheit, fehlende Präsenz, Körpersprache, Stimme, Spannung, Selbstrelativierung und zu starke Anpassung zusammen.
Franziska: Schon ein kleines Wellnesstraining für die Stimme kann hier Großes bewirken. Durch die nachhaltigen Entspannungsübungen bekommt man Energie – ein wunderbarer ‚Nebeneffekt‘ dieses Linklater-basierten Voice Trainings. So werden überflüssige, gewohnheitsmäßige Spannungen abgebaut und die persönliche Stimme steht in der Kommunikation wieder frei zur Verfügung.
Marina: Im Arbeitsumfeld ist das ein klassisches Führungsthema. Begriffe wie: „Mangel an Klarheit „oder „Kompetenzfrage“, kommen hier oft oft den Tisch. Doch bevor an der Struktur gearbeitet wird, braucht es den Blick auf ein kleineres Universum – den Blick auf sich selbst als Individuum. Was bringe ich mit – an Fähigkeiten, Wissen, Eigenschaften, Besonderheiten – das meine Meinung, meine Stimme wichtig macht. Wenn das bewusst wird, dann ist es wesentlich leichter im Gespräch zu überzeugen.
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Wie argumentiere ich überzeugend?
Überzeugend argumentieren heißt nicht, möglichst viel zu sagen. Überzeugend wird ein Argument dann, wenn dein Punkt klar ist und man ihn so ausdrückt, dass Inhalt, Stimme und Haltung zusammenwirken.
Marina: Für mich beginnt überzeugendes Argumentieren nicht bei der Formulierung, sondern bei der Frage: Was ist eigentlich mein Punkt? Viele verlieren Wirkung, weil sie sich in Erklärungen, Absicherungen oder Nebensätzen verlieren. Wer weiß, was er oder sie beitragen will, argumentiert meist schon klarer.
Franziska: Und dann braucht dieser Gedanke noch einen Ausdruck, der ihn trägt. Wenn Stimme, Atem und Sprache nicht mitgehen, verliert auch ein guter Gedanke an Kraft. Überzeugend wird es dort, wo Worte nicht nur richtig gesetzt sind, sondern lebendig und verständlich beim Gegenüber ankommen.
Was sich verändert, wenn Auftreten authentisch wird
Wenn dein Auftreten authentisch wahrgenommen wird, verändert sich oft nicht nur deine Wirkung nach außen. Es verändert sich auch etwas in dir. Du musst weniger Kraft aufwenden. Weniger Energie geht in Anpassung, in Festhalten, in das Bemühen, richtig zu wirken.
Marina: Viele Menschen merken erst spät, wie viel Energie in Masking fließt. Also in den Versuch, Erwartungen zu erfüllen, nicht aufzufallen, möglichst passend zu sein. Das wirkt nach außen oft kontrolliert oder professionell, ist aber auf Dauer sehr anstrengend. Wenn Menschen anfangen, ihre eigenen Stärken ernst zu nehmen und bewusster zu nutzen, werden sie nicht automatisch lauter — aber klarer und eindeutiger. Im beruflichen Alltag wird sich ein signifikanter Unterschied zeigen, wenn dein Auftreten authentisch wahrgenommen wird.
Franziska: Dann ist deine Stimme frei und ausdrucksstark. Dein Sprechen vermittelt klar und verständlich, was du sagen möchtest. Anliegen werden schneller verstanden. Gespräche werden verbindlicher. Das, was du einbringst, bleibt im Gedächtnis. Du wendest weniger Kraft auf, um dich bemerkbar zu machen. Ohne Anstrengung überzeugst du im Gespräch.
Mein Fazit
Das Gespräch mit Marina Bernardo macht für mich noch einmal sehr deutlich: Authentisch auftreten entsteht nicht dadurch, dass wir uns besser darstellen. Es entsteht dort, wo Menschen mit dem, was sie mitbringen, mehr in Verbindung kommen — mit ihren Stärken, mit ihrem Anliegen, mit ihrer Art, in der Welt zu sein.
Danke Marina für den offenen Austausch und einen neuen Blickwinkel.
Was unsere Perspektiven verbindet, ist genau dieser Punkt: Marina arbeitet mit dem, was Menschen in sich erkennen und bewusster nutzen lernen. Ich begleite Menschen dabei, wie das über Stimme und Sprechen hörbar wird. Im Auftreten authentisch zu sein, ist der Schlüssel, um wirkungsvoll in Meetings zu sprechen und im Gespräch zu überzeugen. Dazu braucht es Klarheit und oft einen Blick von außen.
Wenn du dir wünschst, freier und authentisch zu sprechen, begleite ich dich gern im individuellen Stimm- und Sprechcoaching. Weil die Körperhaltung die Stimme direkt beeinflusst, ist sie die Grundlage meiner Arbeit. Vereinbare ein unverbindliches Erstgespräch, und wir sprechen darüber, was deine Stimme, dein Sprechen, deine nonverbale Ausstrahlung und deine Präsenz stärkt — damit dein Anliegen nicht nur gesagt wird, sondern auch ankommen kann.
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Franziska Steinhart
Gründerin von SteinStimmeBlau
Voice und Mental Coach
Sprecherin, Regisseurin und Autorin





